Coming out oder
nicht?
© Martina Roters
Sobald man sich entschlossen hat, eine außerbetriebliche Weiterbildung zu machen,
stellt sich gleich die Gretchenfrage:
Bei Chef und Kollegen
die Katze aus dem Sack lassen?
© 2010 Martina Roters und
deren
Lizenzgeber. Alle Rechte vorbehalten.
Zunächst einmal: Rechtlich ist man nicht verpflichtet, den Betrieb
darüber zu unterrichten, wie man seine Freizeit verbringt!
Erst, wenn eine Weiterbildung in eine Nebentätigkeit mündet, dann kommt es darauf an, ob ein potentieller Konflikt
zur angestellten Tätigkeit entstehen könnte, bzw. ob der eigene Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel zur
Informationspflicht enthält (das kann vorkommen, also in dem Fall mal den Arbeitsvertrag raussuchen!)
Ansonsten gibt es in der Frage sowohl Pro als auch Kontra:
Das
Pro-Szenario:
In der Firma, in der Sie angestellt sind, herrscht ein angenehmes Betriebsklima.
Also springen der nette Kollege oder die nette Kollegin ein, wenn ausgerechnet am Tag Ihres Abendkurses aus
verschiedenen Sachzwängen heraus noch unabwendbare Mehrarbeit anfällt. Und Sie kommen dennoch pünktlich
fort.
Ihr Chef ist stolz darauf, Mitarbeiter zu haben, die durch die Bereitschaft zur Weiterbildung
ihre geistige Jugend und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Bitten Sie doch Ihren Chef um einen Zuschuss für die Kosten Ihres Kurses.
Lachen Sie nicht!
Kennen Sie die Story von der neuen Mitarbeiterin, die klaglos Jahr um Jahr ohne Gehaltserhöhung weitergearbeitet
hat, bis Sie sich dann doch endlich ein Herz fasste und um eine Gehaltserhöhung nachfragte. Wie lautete die
Antwort?
„Wir glaubten schon, Sie würden nie fragen!“
Fragen kostet nichts. Je nach angestrebter Qualifikation ist der Chef womöglich zu einem Zuschuss bereit, wenn er
sich einen Vorteil für den Betrieb verspricht (z . B. durch verbesserte Fremdsprachenkenntnisse).
In manchen Bundesländern gibt es zum Teil Bildungsurlaubsansprüche. Prüfen Sie mal, ob Sie den
nutzen können, z. B. für die Teilnahme en einem zentralen Prüfungstermin. Es wäre jammerschade, freie Zeit zu
verschenken, wenn sie eh schon so verknappt ist.
Und ein ganz wichtiger Vorteil, wenn man in der Firma Bescheid weiß: Sie haben viel mehr Grund, die Sache auch in
widrigen Phasen durchzuziehen, wenn das berufliche Umfeld darauf wartet, dass Sie endlich die Champagnerflasche
mitbringen, um auf den erfolgreichen Abschluss anzustoßen.
Das
Kontra-Szenario:
Bei einem schlechten Betriebsklima bietet man eine Angriffsfläche für Mobbing, weil man zu
erkennen gibt, dass man einen „schwachen Punkt“ hat. Plötzlich zückt der Chef immer am Tag des Abendkurses
„unaufschiebbare Sonderaufgaben“ und Sie sind ständig in zermürbende Konflikte verwickelt.
Manche Kollegen entwickeln sich zu Neidern, weil sie innerlich wütend sind, dass Sie ihnen
vormachen, was sie selbst nicht schaffen, weil sie den Hintern nicht hochkriegen.
Andere Kollegen haben gehört, Sie hätten jetzt Expertenstatus auf dem Gebiet XY und bitten
auf diesem Sektor ständig um Unterstützung. Aus Tradition sind Sie ja immer der oder die Hilfsbereite. In der Folge
haben Sie dann alle Hände voll zu tun, sich gegen diese Begehrlichkeiten zur Wehr zu
setzen.
Bei allgemein schlechter Wirtschaftslage möchte man nicht auffallen, um auf die
Liste der „Entbehrlichen“ zu kommen, weil unterstellt wird, dass man dem Betrieb nicht mehr
die ganze Kraft widmet oder sogar, dass man sich ja ohnehin ein 2. Standbein aufbauen will, um dem Betrieb den
Rücken zu kehren.
Bei Verhandlungen über die Höhe einer Abfindung hat man ggf. psychologisch schlechtere Karten, weil der Arbeitgeber
argumentiert, dass man aufgrund der Weiterbildung ja „anderweitig schnell wieder versorgt“ sei.
Coming out oder nicht ist keine leichte Entscheidung. Im Zweifelsfall würde ich mich an das
Sprichwort halten: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wenigstens für den Anfang.
© Martina Roters ist Direktmarketing-Texterin, Mitglied im profitexter.net(t) Sie ist
Autorin des E-Books "So schaffst du alles - Weiterbildung neben Job und Familie" und betreibt die
gleichnamige Webseite. Besuchen Sie www.soschaffstdualles.de, um Tipps und Ratschläge zu
bekommen, wie man sich die zahlreichen Stolpersteine auf dem Weg
zum eigenen Weiterbildungsziel aus dem Weg räumt und gleichzeitig
sein Familienglück bewahrt. Über Twitter gibt sie Lern- und Motivationstipps.
http://www.twitter.com/Lernhelferin 
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